Account-Based Marketing (ABM)

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Account-Based Marketing (ABM) ist ein strategischer B2B-Marketingansatz, bei dem Marketing und Vertrieb ihre Aktivitäten auf eine klar definierte Auswahl besonders relevanter Unternehmen oder Kundenkonten ausrichten. Statt zunächst möglichst viele einzelne Leads zu gewinnen, beginnt ABM mit den Zielaccounts und entwickelt für diese passende Botschaften, Inhalte und Kontaktpunkte. ABM dient dem strategischen Ansatz zur gezielten Ansprache und Aktivierung bestimmter hochwertiger Accounts anstelle einer breiten Zielgruppe.

ABM ist keine einzelne Kampagnenart und kein bestimmtes Werbeformat. Es ist ein Vorgehensmodell, das Auswahl, Priorisierung, Personalisierung, Vertriebseinbindung und Erfolgsmessung auf Account-Ebene zusammenführt.

Welche Funktion hat Account-Based Marketing?

ABM wird vor allem in B2B-Märkten eingesetzt, in denen ein einzelner Abschluss einen hohen wirtschaftlichen Wert haben kann, mehrere Personen am Kauf beteiligt sind oder die Zahl potenziell passender Kunden begrenzt ist. Typische Beispiele sind Enterprise-Software, Industrieprodukte, Beratungsleistungen oder komplexe IT-Services.

Die zentrale Funktion besteht darin, knappe Marketing- und Vertriebsressourcen auf Accounts zu konzentrieren, bei denen ein strategischer Fit und realistisches Umsatzpotenzial bestehen. Das verändert auch die Erfolgsmessung: Nicht die Zahl neu erzeugter Leads steht allein im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung eines gesamten Zielaccounts durch den Kaufprozess.

ABM kann unter anderem folgende Entscheidungen unterstützen:

  • Auswahl und Priorisierung von Zielunternehmen
  • Verteilung von Kampagnenbudget auf Account-Segmente
  • Auswahl geeigneter Kanäle und Inhalte
  • Abstimmung von Marketing- und Vertriebsaktivitäten
  • Bewertung von Pipeline und Umsatz aus Zielaccounts.

Wie funktioniert ABM in der Praxis?

Ein belastbares ABM-Programm beginnt mit einer nachvollziehbaren Account-Auswahl. Kriterien können beispielsweise Unternehmensgröße, Branche, technologische Voraussetzungen, geografische Märkte, bisherige Geschäftsbeziehungen oder ein erwarteter Customer Lifetime Value sein. Die Auswahl sollte nicht allein aus einem Werbe-Targeting entstehen, sondern aus gemeinsamen Kriterien von Marketing und Vertrieb.

LinkedIn fasst die Umsetzung in drei übergeordnete Phasen zusammen: Account Research, Content Creation sowie Execution and Measurement (LinkedIn Marketing Solutions). Daraus lässt sich ein typischer Ablauf ableiten:

  1. Zielaccounts definieren und priorisieren.
  2. Buying Center und relevante Rollen innerhalb der Accounts analysieren.
  3. Informationsbedürfnisse, Probleme und Kaufphasen der Accounts bestimmen.
  4. Inhalte, Angebote und Botschaften an diese Situationen anpassen.
  5. Geeignete Kanäle wie LinkedIn Ads, E-Mail, Events, Content Marketing, Direktansprache oder Retargeting kombinieren.
  6. Account-Engagement, Opportunities, Pipeline und Umsatz gemeinsam mit dem Vertrieb auswerten.

One-to-One, One-to-Few und One-to-Many

In der Praxis werden häufig drei ABM-Stufen unterschieden. Die Bezeichnungen sind Branchenkonventionen, keine verbindlichen Standards:

Ansatz Typische Ausrichtung Grad der Personalisierung
One-to-One ABM Einzelne strategische Accounts Sehr hoch, teilweise accountindividuelle Inhalte und Maßnahmen
One-to-Few ABM Kleine Gruppen ähnlicher Accounts Hoch, auf gemeinsame Merkmale oder Probleme zugeschnitten
One-to-Many ABM Größere priorisierte Account-Gruppen Skalierter, häufig daten- und plattformgestützt

Je kleiner die Zielgruppe, desto höher kann der Aufwand pro Account ausfallen. Ein stark individualisiertes Vorgehen ist deshalb nicht automatisch wirtschaftlicher als eine segmentbasierte Variante.

Welche Kennzahlen sind bei ABM relevant?

ABM lässt sich nicht sinnvoll mit einer einzigen Kennzahl beurteilen. Besonders hilfreich sind Metriken entlang des Account-Funnels:

  • Account Coverage: Anteil der Zielaccounts, für die relevante Kontakte und Daten vorhanden sind
  • Account Engagement: Interaktionen relevanter Personen eines Accounts mit Kampagnen und Inhalten
  • Meeting- oder Opportunity-Rate: Anteil der angesprochenen Accounts, aus denen qualifizierte Gespräche oder Verkaufschancen entstehen
  • Pipeline aus Zielaccounts: Wert der Opportunities, die den priorisierten Accounts zugeordnet werden
  • Win Rate: Anteil gewonnener Opportunities
  • Deal Size: Durchschnittlicher Auftragswert
  • Sales Cycle: Dauer vom qualifizierten Account bis zum Abschluss
  • Umsatz und Deckungsbeitrag: Wirtschaftlicher Beitrag der gewonnenen Accounts.

Engagement ist dabei nur ein Zwischensignal. Viele Anzeigenklicks oder Websitebesuche eines Accounts belegen noch keinen zusätzlichen Umsatz. Wo möglich, sollte daher zwischen beobachteter Korrelation und tatsächlich durch Marketing verursachter Wirkung unterschieden werden.

Für die wirtschaftliche Bewertung kann der ROI-Rechner von Nioveo genutzt werden. Voraussetzung ist, dass Kosten und zurechenbarer Ertrag des ABM-Programms sauber abgegrenzt werden.

ABM und klassische Leadgenerierung im Vergleich

Merkmal Account-Based Marketing Klassische Leadgenerierung
Ausgangspunkt Ausgewählte Unternehmen oder Kundenkonten Möglichst relevante Einzelkontakte
Zielgröße Account-Entwicklung, Pipeline und Umsatz Leads, MQLs, SQLs und nachgelagerte Conversions
Personalisierung Häufig account- oder segmentbezogen Häufig persona- oder zielgruppenbezogen
Zusammenarbeit Enge Abstimmung mit Sales zentral Je nach Organisation stärker getrennt möglich
Eignung Besonders für komplexe B2B-Verkäufe Auch für große und heterogene Zielmärkte geeignet

Beide Ansätze schließen sich nicht aus. Ein Unternehmen kann breite Nachfrage über SEO, Content oder Paid Media aufbauen und gleichzeitig besonders wertvolle Accounts mit ABM priorisieren.

Personalisierung ohne Scheingenauigkeit

ABM wird häufig mit Personalisierung gleichgesetzt. Fachlich sinnvoll ist Personalisierung jedoch nur, wenn sie auf belastbaren Informationen über den Account oder seine Situation beruht. Ein Firmenname in einer Landingpage macht eine Kampagne noch nicht relevant.

Wirksamer sind beispielsweise:

  • Branchenspezifische Anwendungsfälle
  • Inhalte für unterschiedliche Rollen im Buying Center
  • Referenzen aus vergleichbaren Unternehmenssituationen
  • Angebote passend zur vorhandenen Technologie oder Prozessreife
  • Vertriebskontakte zum Zeitpunkt erkennbarer Kaufabsicht.

Bei personenbezogenen Daten, Tracking und Zielgruppenbildung gelten zusätzlich Datenschutz- und Plattformregeln. ABM ist deshalb auch ein Daten- und Governance-Thema.

Gibt es Benchmarks für Account-Based Marketing?

Allgemeingültige ABM-Benchmarks sind fachlich wenig belastbar. Pipeline, Abschlussrate, Deal Size oder Sales Cycle unterscheiden sich stark nach Markt, Produkt, Preisniveau, Account-Auswahl, Vertriebsmodell und Messzeitraum. Veröffentlichte Anbieterbenchmarks sind zudem häufig nicht direkt miteinander vergleichbar, weil Stichproben und Definitionen variieren.

Aussagekräftiger ist ein Vergleich mit:

  • Historischen Werten derselben Account-Segmente
  • Nicht priorisierten, aber strukturell ähnlichen Accounts
  • Vorher definierten Pipeline- und Umsatzzielen
  • Vergleichbaren Regionen, Produkten oder Vertriebsperioden.

Häufige Fehler bei ABM

Ein häufiges Problem ist die Verwechslung von präzisem Anzeigen-Targeting mit einer vollständigen ABM-Strategie. Plattformen können zwar bestimmte Unternehmen oder Rollen adressierbar machen, ersetzen aber weder Account-Auswahl noch Sales-Abstimmung oder wirtschaftliche Messung.

Weitere typische Schwächen sind:

  • Zu große Account-Listen ohne echte Priorisierung
  • Personalisierung auf Basis oberflächlicher Merkmale
  • Unterschiedliche Zieldefinitionen von Marketing und Vertrieb
  • Bewertung ausschließlich über Klicks, Leads oder Engagement
  • Fehlende Zuordnung von Buying-Center-Kontakten zu Accounts
  • Zu kurze Messzeiträume bei langen B2B-Sales-Cycles.

FAQ zu Account-Based Marketing

Ist ABM nur für große Unternehmen geeignet?

Nein. Entscheidend ist weniger die Unternehmensgröße als die Wirtschaftlichkeit pro Zielaccount. Auch kleinere B2B-Anbieter können ABM einsetzen, wenn wenige potenzielle Kunden einen hohen Auftragswert haben.

Ist LinkedIn Ads dasselbe wie Account-Based Marketing?

Nein. LinkedIn Ads kann ein Kanal innerhalb einer ABM-Strategie sein. ABM umfasst darüber hinaus Account-Auswahl, Inhalte, Vertrieb, Orchestrierung und Erfolgsmessung.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen ABM und Leadgenerierung?

ABM startet mit priorisierten Accounts und bewertet deren Entwicklung. Leadgenerierung startet typischerweise mit einzelnen Interessenten und qualifiziert diese anschließend.

Welche Daten werden für ABM benötigt?

Mindestens belastbare Firmenmerkmale, Account-Prioritäten sowie CRM- und Vertriebsdaten. Je nach Reifegrad kommen Intent-, Engagement- und Buying-Center-Daten hinzu.