Zwischen einer Platzierung bei Google und einem Besuch auf der Website liegen nicht immer dieselben Schritte. Das zeigen diese Woche die von Productrise beobachteten Veränderungen bei europäischen Produktsuchen, bei denen Vergleichsseiten stärker in den Vordergrund rücken.
Gleichzeitig erklärt Cloudflare, wie sich Sperren gegen KI-Training auf den Zugriff von Suchmaschinen auswirken. Für Shops und Publisher geht es damit nicht nur darum, sichtbar zu sein, sondern auch darum, wie ihre Inhalte erreichbar bleiben.
Kurzübersicht der wichtigsten SEO-News
- Productrise beobachtet in fünf EWR-Ländern deutlich weniger organische Google-Produktkarussells und stattdessen Suchbereiche, in denen Vergleichsseiten ausgewählt werden können.
- Cloudflare erläutert, welche Einstellungen gegen KI-Training den Zugriff für Suchmaschinen erhalten und welche auch Googlebot, Bingbot und Applebot sperren.
- Google erweitert seine neuen Suchbereiche im EWR auf lokale Anfragen und nennt unterschiedliche Teilnahmebedingungen für Verzeichnisse und einzelne Unternehmen.
- In der CITECHOICE-Studie erhalten strukturierte Texte mehr einzelne Verweise in KI-Antworten, werden aber nicht eindeutig häufiger überhaupt als Quelle ausgewählt.
SEO-News im Detail
Productrise beobachtet weniger Google-Produktkarussells in fünf EWR-Ländern
#E-Commerce #Google-Search Impact: Hoch, Beobachtung
Was ist passiert?
Bei den von Productrise untersuchten Produktsuchen zeigt Google deutlich seltener die organischen „Popular products“-Karussells. Der Anbieter dokumentierte den Rückgang am 17. September. In seinen Messungen fällt die Veränderung ungefähr auf den 15. und 16. September und betrifft Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Schweden.
Der Bericht zeigt stattdessen Bereiche, in denen Nutzer zwischen verschiedenen Vergleichsseiten wählen können. Im dargestellten Beispiel bleiben auch Googles Produktinformationen nach einer weiteren Auswahl erreichbar. Die Beobachtung beschreibt damit konkrete Folgen der bereits am 8. September angekündigten EWR-Umstellung. Sie bezieht sich auf die überwachten Suchanfragen, nicht auf sämtliche kostenlosen Produkteinträge bei Google.
Warum ist das wichtig?
Für betroffene Shops kann sich der Weg vom Suchergebnis zur Produktseite verändern. Statt direkt zum Händler zu gelangen, besuchen Nutzer möglicherweise zunächst einen Vergleichsdienst. Die klassische Rankingposition allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie viele direkte Besuche ein Shop aus diesen Suchergebnissen gewinnt.
Was sollten SEOs jetzt tun?
- Bei wichtigen Produktsuchen in den betroffenen Ländern festhalten, welche Ergebnisbereiche erscheinen und wohin ihre Links führen.
- Direkte organische Google-Besuche auf Produktseiten nach Land vergleichen und Zugriffe über Vergleichsdienste getrennt auswerten.
Quellen: Productrise · Google Search Central
Cloudflare erklärt, wann KI-Sperren auch Suchcrawler blockieren
#Crawling #AI-Search Impact: Hoch, Offizielle Quelle
Was ist passiert?
Cloudflare hat am 15. September erläutert, wie sich seine Einstellungen gegen KI-Training auf Googlebot, Bingbot und Applebot auswirken. Die als „Accountable“ eingestuften Crawler dürfen beim Trainings-Opt-out weiterhin für die Suche auf Websites zugreifen. Eine ausdrücklich gewählte vollständige Trainingssperre blockiert dagegen auch diese Crawler.
Bestehende Trainings-Block-Einstellungen werden laut Ankündigung in „Disallow AI Training“ überführt. Sie führen dadurch nicht automatisch zu einer vollständigen Sperre der Suchcrawler. Allerdings beschreibt die Hilfeseite mit Stand 1. Juli noch einen anderen, pauschaleren Sperrplan.
Bei Bing bleibt zudem eine Lücke: Bot Preference Sync kann den Widerspruch gegen KI-Training bereits in der robots.txt hinterlegen, Bingbot berücksichtigt diese Angabe dort aber noch nicht. Microsoft plant die Unterstützung für Anfang 2027. Bis dahin nennt Cloudflare unter anderem Bings NOARCHIVE-Meta-Tag als bestehende Option. Die Einstufung als „Accountable“ berücksichtigt also auch Zusagen, die noch nicht umgesetzt sind.
Warum ist das wichtig?
KI-Training abzulehnen und einen Crawler technisch auszusperren sind zwei verschiedene Eingriffe. Wird ein Suchcrawler blockiert, kann er die Seiten nicht mehr abrufen. Websitebetreiber sollten deshalb nicht allein nach dem Namen einer Einstellung entscheiden, sondern klären, welchen Zugriff sie tatsächlich erlaubt. Das ist besonders wichtig, solange Ankündigung und Hilfeseite unterschiedliche Regeln beschreiben.
Was sollten SEOs jetzt tun?
- Vor einer Änderung festlegen, welche Crawler für die Suche zugreifen dürfen und welche Nutzung für KI-Training ausgeschlossen werden soll.
- Nach der Änderung die robots.txt und den tatsächlichen Zugriff von Googlebot, Bingbot und Applebot auf unbeabsichtigte Sperren kontrollieren.
Quellen: Cloudflare (Ankündigung) · Cloudflare (Bot Preference Sync) · Cloudflare (Dokumentation)
Google erweitert seine EWR-Suchbereiche auf lokale Unternehmen
#Local-SEO #Google-Search Impact: Mittel, Offizielle Quelle
Was ist passiert?
Google hat am 18. September dokumentiert, dass seine neuen Suchbereiche im Europäischen Wirtschaftsraum nun auch lokale Anfragen unterstützen. Ein Bereich ist für Verzeichnisse und spezialisierte Suchdienste vorgesehen, der andere für direkte Anbieter wie Geschäfte oder Handwerksbetriebe. Google nennt sie Aggregator-Unit und Supplier-Unit.
Verzeichnisse benötigen eine Zulassung als spezialisierter Suchdienst, bei Google „Vertical Search Service“ genannt, sowie passende Inhalte und einen Datenfeed für lokale Einträge. Einzelne Betriebe müssen dagegen Nutzer im EWR bedienen und ihre Website für Suchcrawler zugänglich machen. Ein zusätzlicher Feed ist für sie nicht vorgeschrieben. Der Bereich für direkte Anbieter erscheint nur zusammen mit dem Bereich für Verzeichnisse.
Warum ist das wichtig?
Ein lokaler Betrieb muss nicht dieselbe Datenanbindung aufbauen wie ein Branchenverzeichnis. Wer beide Fälle gleich behandelt, plant möglicherweise unnötige technische Arbeit ein. Die dokumentierten Voraussetzungen helfen, den Aufwand auf den passenden Teilnahmeweg zu konzentrieren.
Was sollten SEOs jetzt tun?
- Bei lokalen Verzeichnissen die Teilnahmebedingungen für Vertical Search Services und den erforderlichen Local-POI-Datenfeed prüfen.
- Bei einzelnen Betrieben prüfen, ob Google die Standort- und Leistungsinformationen auf der Website abrufen kann.
Quellen: Google Search Central (Changelog) · Google Search Central (Aggregatoren) · Google Search Central (Direktanbieter)
CITECHOICE: Strukturierte Texte erhalten im KI-Test mehr Quellenverweise
#AI-Search #SEO-Analyse Impact: Mittel, Originalstudie
Was ist passiert?
In der am 14. September veröffentlichten CITECHOICE-Studie bekam ein KI-System unterschiedlich aufgebaute Textfassungen vorgelegt. Strukturierte Texte erhielten dabei im Durchschnitt mehr einzelne Quellenverweise als Fassungen in fortlaufendem Fließtext. Dass sie auch häufiger überhaupt als Quelle ausgewählt wurden, ließ sich dagegen nicht eindeutig nachweisen.
Für den Vergleich arbeitete das KI-System mit bereits festgelegten Quellen, statt bei jedem Durchlauf neue Webseiten zu suchen. Die Textfassungen unterschieden sich außerdem nicht nur im Aufbau, sondern auch in der Formulierung. Welchen Anteil allein die Struktur an den zusätzlichen Verweisen hatte, lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.
Warum ist das wichtig?
Für die Erfolgsmessung ist der Unterschied wichtig: Eine einzige KI-Antwort kann denselben Text mehrfach verlinken. Die Zahl der Verweise kann also steigen, obwohl die Website nicht in zusätzlichen Antworten vorkommt. Eine Auswertung sollte zeigen, welcher der beiden Fälle vorliegt.
Was sollten SEOs jetzt tun?
- Bei KI-Auswertungen getrennt zählen, in wie vielen Antworten die Website als Quelle vorkommt und wie viele einzelne Verweise sie erhält.
Quelle: arXiv
Digiday berichtet über Zahlungen an Publisher in Googles KI-Pilot
#Publisher #AI-Search Impact: Mittel, Bestätigter Bericht
Was ist passiert?
Google bezahlt teilnehmende Publisher im „AI Contribution Pilot“ dafür, dass ihre Inhalte wesentlich zu Antworten in AI Mode, AI Overviews oder Gemini beitragen. Digiday berichtete am 14. September über Details der Vergütung. Die Publisher sehen ihre monatlichen Erlöse demnach in der Search Console.
Das Programm selbst ist nicht neu: Google hatte es bereits am 18. Juni angekündigt und bestätigte gegenüber Digiday, dass es sich um einen frühen Pilotversuch handelt. Bezahlt wird laut Bericht nach dem bewerteten Beitrag eines Inhalts zur Antwort, nicht pauschal für jeden Abruf oder jedes Zitat. Eine öffentlich nachvollziehbare Berechnungsformel und eine allgemeine Öffnung für Publisher gehen aus dem Bericht nicht hervor.
Warum ist das wichtig?
Für teilnehmende Publisher entsteht damit eine Einnahmequelle neben den Besuchen auf ihrer Website. Wie viel sie tatsächlich einbringt, lässt sich jedoch nicht an der Zahl sichtbarer Quellenlinks ablesen. Dafür sind die angebotenen Bedingungen und die abgerechneten Erlöse entscheidend.
Was sollten SEOs jetzt tun?
- Bei einer Einladung die Vergütungsgrundlage, eingeräumte Nutzungsrechte und tatsächlichen Erlöse gemeinsam mit den zuständigen Teams prüfen.
Kurzmeldungen
SISTRIX meldet Probleme bei der Erfassung von Google-Suchergebnissen
#SEO-Tools #SEO-Analyse Impact: Mittel, Offizielle Quelle
SISTRIX meldete am 16. September, dass das Tool Google-Suchergebnisse nur eingeschränkt erfassen konnte, nachdem Google deren Auslieferung verändert hatte. Die Störung betrifft damit zunächst die Datenerfassung bei SISTRIX. Sie sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, ob eine Website tatsächlich schlechter bei Google platziert ist.
Bei auffälligen Veränderungen in den SISTRIX-Daten sollten SEO-Teams zunächst deren Stand und Aktualisierungsrhythmus prüfen. Ein Vergleich mit der Search Console hilft, die Entwicklung einzuordnen.
Quelle: SISTRIX
Google ergänzt Warenkorbübergabe und Checkout-Tests für US-Händler
#E-Commerce #AI-Search Impact: Mittel, Offizielle Quelle
Händler, die UCP-Checkout über den Integrationshub im Merchant Center nutzen, erhalten zusätzliche Funktionen für den Bestellvorgang. Google kündigte am 16. September an, dass sich Warenkörbe an die Website des Händlers übergeben lassen und die Checkout-Tests verbessert werden.
Die Einführung erfolgt schrittweise in den USA. Australien und Kanada sollen Anfang 2027 folgen. Zusätzliche Auswertungen sind bislang nur angekündigt. Teilnehmende US-Händler sollten die Warenkorbübergabe an ihren Shop testen und sich mit den verbesserten Checkout-Tests vertraut machen.
Quelle: Google
Google Discover testet KI-Themenübersichten bei Videos
#Discover #Publisher Impact: Moderat, Bestätigter Bericht
Google testet in Discover einen „Dive deeper“-Button. Er öffnet zunächst bei Videos eine kurze KI-Themenübersicht und verlinkt passende weitere Berichte. Über eine Videokarte können Nutzer so auch zu verwandten Artikeln gelangen.
Search Engine Journal und Search Engine Roundtable berichten über die Ankündigung vom 18. September. In welchen Ländern und Sprachen der Test läuft und wie viele Nutzer teilnehmen, geht aus den Berichten nicht hervor.
Quellen: Search Engine Journal · Search Engine Roundtable
Google senkt die Follower-Schwelle für Search Profiles in den USA
#Google-Search #Publisher Impact: Moderat, Offizielle Quelle
Google hat am 16. September die Zugangsschwelle für Search Profiles in den USA auf 10.000 Follower gesenkt. Die Zahl muss auf mindestens einer der Plattformen YouTube, Instagram, X oder TikTok erreicht werden. US-Publisher, die bisher an dieser Hürde scheiterten, sollten deshalb erneut prüfen, ob sie die vollständigen Teilnahmebedingungen erfüllen.
Außerdem lassen sich mehrere Marken über einen gemeinsamen Login verwalten. Google hat auch die Artikelansichten überarbeitet.
Quellen: Google · Google Search Help
Was von dieser Woche hängen bleibt
Für Shops in den betroffenen EWR-Ländern und Websites mit Cloudflare lohnt sich zuerst ein Blick auf die konkreten Suchergebnisse und Crawler-Einstellungen. Dort können sich die Wege zur Website unmittelbar verändern. Neue Studien und Tool-Meldungen helfen dagegen vor allem dabei, Daten richtig zu verstehen. Eine auffällige Kennzahl allein sollte deshalb noch keine umfassende Überarbeitung von Inhalten auslösen.
Redaktioneller Hinweis: Für diesen Wochenrückblick wurden Primärquellen, Originalstudien und etablierte Fachmedien redaktionell ausgewertet. Der Impact-Score basiert auf einer internen Bewertungsmatrix von Nioveo®.